Das Wort „nuklear” klingt beängstigend. Die Medizin dahinter ist es nicht. Die Nuklearmedizin hilft Patient*innen seit Jahrzenten. Sie ist ein sicherer, fest etablierter Teil der modernen Gesundheitsversorgung – weltweit erfolgreich eingesetzt, auch hier in Österreich, bereits seit mehr als 50 Jahren.
Die Nuklearmedizin verwendet kleine, sorgfältig kontrollierte Mengen radioaktiven Materials. Sie erfüllt damit zwei Aufgaben: Sie hilft Ärzt*innen zu sehen, was im Körper vorgeht, und sie hilft, bestimmte Krankheiten gezielt zu behandeln, insbesondere Krebs.
Diagnose
Ärzt*innen verwenden radioaktive Bestandteile, die nur kurze Zeit aktiv bleiben. Diese verlassen den Körper auf natürliche Weise innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen. Ärzt*innen erhalten somit ein klares Bild des Stoffwechsels, ganz ohne bleibende Aus- oder Nebenwirkungen.
Behandlung
Ärzt*innen verwenden radioaktive Bestandteile, die etwas länger aktiv bleiben. Das gibt ihnen die benötigte Zeit, um bestmöglich zu wirken und Krebszellen von innen heraus zu zerstören. Die Behandlung erfolgt unter engmaschiger ärztlicher Begleitung und folgt internationalen medizinischen Sicherheitsstandards.
Nuklearmedizin ist nichts, wovor man sich fürchten muss. Im Gegenteil, sie ist ein bewährtes, wirksames Instrument, das Ärzt*innen hilft, Krankheiten präzise zu diagnostizieren und ebenso zielgerichtet zu behandeln – sicher und mit jahrzehntelanger Erfahrung aus der Praxis.
Die Nuklearmedizin kommt in vielen Bereichen zum Einsatz, zum Beispiel bei:
Die Nuklearmedizin verwendet hoch spezialisierte Medikamente (Radiopharmaka), die aus mehreren Teilen bestehen – eines dieser Teile ist ein radioaktives Material (Radionuklid). Daher der Name „Nuklearmedizin“. Je nachdem, welches Medikament verwendet wird, kann die Nuklearmedizin drei Dinge leisten: detaillierte Bilder des Körpers erstellen, medizinische Eingriffe steuern (zur Unterstützung bei Operationen), oder gezielt Therapie verabreichen.
Für die Bildgebung – die Diagnose:
Die nuklearmedizinischen Expert*innen können radioaktives Material an viele natürliche Stoffe des Körpers anhängen – an Zucker, Aminosäuren (Grundbausteine von Eiweiß), Fettsäuren oder Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter). Dadurch kann das Medikament ganz genau an sein Ziel gelenkt werden. Mit Hilfe von hoch-spezialisierten medizinischen Geräten (PET oder SPECT-Kameras) wird das Medikament – und damit die erkrankte Stelle im Körper – sichtbar gemacht. So können Ärzt*innen, sehen wie Organe und Gewebe arbeiten, nicht nur, wie sie aussehen (wie beispielsweise bei einem Ultraschall).
Für die Behandlung – die Therapie:
In der Krebstherapie sind die Radiopharmaka so gestaltet, dass sie direkt zum Tumor wandern. Dort angelangt, binden sie sich an eine bestimmte Stelle auf der Tumoroberfläche (einen Rezeptor). Einmal angedockt, geben sie eine kleine, präzise Strahlendosis ab. Diese zerstört den Tumor von innen und schont dabei so gut wie möglich das umliegende gesunde Gewebe. Dadurch gibt es weit weniger Nebenwirkungen wie (z. B. Übelkeit, Abgeschlagenheit) als dies bei anderen Therapien (z. B. Chemotherapie) der Fall ist.
Beides kombiniert – der „theranostische” Ansatz:
Und hier kommt eine der größten Stärken der Nuklearmedizin: man kann sie sowohl zur Diagnose als auch zur Behandlung einsetzen. Man nennt das den „theranostischen” Ansatz: eine Kombination aus den Wörtern „Therapie” und „Diagnose.”
Dabei wird dasselbe Grundgerüst verwendet und nur der radioaktive Anteil ausgetauscht. Damit kann sich das Medikament sowohl mit höchster Präzision an den Tumor binden, als auch zielgerichtet durch abgegebene Strahlung die Tumorzelle von innen zerstören. Das passiert so präzise und individuell, wie es nur die Nuklearmedizin schafft.
Die in der Nuklearmedizin verwendeten Geräte sind hochspezialisierte Kameras, die die Stoffwechselvorgänge im Körper durch die Radiopharmaka sichtbar machen:
Sie sehen aus wie schmale Röhren mit einer Liege in der Mitte, auf der sich der Patient/die Patientin befindet. Selbstverständlich spielen auch Computer und Software eine große Rolle beim Visualisieren der Kameradaten.
Bei diagnostischen Untersuchungen warten Patient*innen üblicherweise 10–60 Minuten nach der Verabreichung des Medikaments (meistens in die Blutbahn/Vene), bevor die Bildaufnahme gemacht wird. Dieser dauert zwischen 10 und 40 Minuten, in denen man ruhig auf einer Liege liegt, während die nuklearmedizinsche Kamera ihre Arbeit macht. Das spürt man gar nicht. Danach wird man ohne weitere Nebenwirkungen nach Hause entlassen.
Wird eine Therapie verabreicht, passiert dies üblicherweise über eine Infusion (für ca. 10 bis 60 Minuten). Danach kann es notwendig sein, dass die Patient*innen noch eine gewisse Zeit im Krankenhaus bleiben müssen. Das hängt von dem Krankheitsbild und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Die Fachärzt*innen informieren hier genau und klären auch über allgemeines Verhalten und notwendige Hygiene-Maßnahmen auf, die in den folgenden Tagen zu befolgen sind (z. B. spezielle Toiletten-Hygiene, separates Waschen von Unterwäsche und Handtüchern etc.).
Die Nuklearmedizin ist eine vollständig anerkannte medizinische Fachrichtung in Österreich, die von vielen Fachkräften und Krankenhäusern angeboten wird. Eine Liste der in Österreich anerkannten Zentren findet sich auf der Internetseite der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin & Therapie (OGNT). Einige dieser Institute mit therapeutischem Angebot wurden mit dem besonderen Titel „Theranostic Centre of Excellence“ der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (European Association of Nuclear Medicine – EANM) ausgezeichnet. Dies ist ein besonderer Qualitätsstandard. Die Liste dieser Zentren ist ebenfalls online abrufbar.
Die folgenden Organisationen eigenen sich für alle, die gern mehr über die Nuklearmedizin im Allgemeinen, ihre technischen Aspekte oder über einzelne Anwendungen im Speziellen wissen möchten:
Österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin & Therapie (OGNT)
Dezidierte Informationen für Betroffene, Liste von Instituten und Ordinationen, Kontakt zu Patientenorganisationen und häufig gestellte Fragen – alles für Patient*innen und ihre Angehörigen.
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs
Besonders hilfreich für alle, die sich auch für die technischen Details der Nuklearmedizin interessieren.
European Association of Nuclear Medicine (EANM)
Die europäische Fachgesellschaft arbeitet eng mit der OGNT zusammen, bietet tiefer gehende Informationen, aktuelle internationale Leitlinien und ein umfangreiches „Was-ist-was“ zu den nuklearmedizinischen Begriffen. Hier finden sich auch Erklär-Videos im Cartoon-Stil. Leicht verständlich, in englischer Sprache.
Nuclear Medicine Europe (NMEu)
Der Fachverband der nuklearmedizinschen Firmen und Gerätehersteller bietet Erklärungsvideos auch auf Deutsch an.
INSPIRE by EANM
Die Nuklearmedizin bietet unzählige Jobs und Berufsmöglichkeiten. Arbeiten mit und für die Patient*innen, immer am Puls der Zeit forschen, entwickeln und staunen. Diese Website zeigt die Berufschancen und Karrierewege in Österreich und lässt echte Expert*innen zu Wort kommen.
Diese Kampagne wurde von der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin (European Association of Nuclear Medicine – EANM) ins Leben gerufen. Sie ist die größte gemeinnützige Organisation für Nuklearmedizin in Europa und ist weltweit tätig. Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 arbeitet die EANM mit medizinischen und wissenschaftlichen Fachkräften, anderen medizinischen Fachgesellschaften, EU-Entscheidungsträgern und Firmen zusammen, um Patient*innen in ganz Europa den Zugang zu Nuklearmedizin zu erleichtern und zu sichern. Die EANM will auch dabei helfen, allgemeine Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber der Nuklearmedizin abzubauen. Das ist der Grundgedanke dieser Kampagne.
Als Fachgesellschaft kann die EANM keine medizinische Beratung oder Konsultation anbieten oder ersetzen. Fragen können am besten vom behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin beantwortet werden. Allgemeine Informationen sind auch bei der OGNT zu finden.
EANM Executive Office
Schmalzhofgasse 26
1060 Vienna, Austria
+43 (0)1 890 44 27
office@eanm.org
Gemeinnütziger Verein nach österreichischem Recht
Data Protection Act: Registration no. 1068431
Zentrales Vereinsregister (ZVR) Number: 063483520
Haftungsausschluss
Die Nutzer erklären sich damit einverstanden, dass der Zugriff auf diese Website sowie deren Nutzung auf eigenes Risiko erfolgen. Die EANM hat nicht alle mit dieser Website verlinkten Seiten überprüft und übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt oder die Richtigkeit externer Seiten oder anderer verlinkter Websites.